Tango

Tango besteht aus vier Elementen: Poesie, Musik, Tanz und das vierte Element ist die Interpretation aus den vorgehenden drei.

Es ist schon viel über Tango geschrieben worden: über die Geschichte, Tango als Lebensphilosophie, über die unterschiedlichen Stile…..

Der Tango ist in Entwicklung, er lebt. Einige möchten von dem traditionellen Tango argentino ein „Monument“ bauen und halten an dieser Form fest, lassen ihn „starr“. So gab es in den 60er Jahren mit Astor Piazzolla in der Musik und Horatio Ferrer in der Poesie eine ganz neue Entwicklung. Die Suche nach freieren Rhythmen, Modulationen, freieren Textinhalten. Der neue Tango, „el tango nuevo“, wie er genannt wird, spiegelte in der Zeit das politische, soziale, gesellschaftliche Bestreben auch in Europa nach Freiheit wider. Im Tangotanz entwickelte sich aus dem „tango de pista“ eine revolutionäre Form: der sogenannte Showtango oder „tango escenario“. So stehen sich zwei grundsätzlich unterschiedliche Stile konträr gegenüber: „tango de pista“ (Salontango, der privat getanzt wird) und tango escenario (Bühnentango, der vor einem Publikum präsentiert wird). Aus beiden entstehen im Laufe der letzten Jahre stets mehr Mischformen. Es gibt absolute Gegner, die diese neue Entwicklung als „Nicht-Tango“ verurteilen. Aus diesem heraus nimmt man sogenannte „Non- Tangos“, willkürliche Musikstücke, die nicht mehr die musikalischen Gesetzmäßigkeiten des ursprünglichen Tangos beinhalten, sondern teilweise gefällige Musikstücke oder Songs aus der Popmusik sind. Man will neues kreieren, neues finden, aus der starren Form heraustreten.

So leben nun seit einigen Jahren mehrere Stile nebeneinander in der sogenannten Tangoszene.

Was ist nun der echte Tango?

Ich denke, man sollte nicht nur an der äußeren Form des Tangos in unserer heutigen Zeit festhalten. Tango ist so viel mehr: Leidenschaft, die aus dem Innersten kommt; Erotik, Spannung, die gesamte Gefühlspalette. Der Tango mit seinen „Gesetzen“, im Tanz erkennbaren Figuren und seinen tangospezifischen Schritten, ist lediglich das Gerüst, in dem sich ein jeder „austoben“ kann. Dafür ist es allerdings wichtig, dass man ihn erst verstehen lernt und von da aus sich selbst in seinem ganz persönlichen Tango kennenlernt.  Das Vertiefen, Genießen und Erleben öffnet dann die Türen zur Entwicklung des eigenen Tangogefühls und mit der Zeit auch die freie Umsetzung davon entweder in der Improvisation oder in einer Choreographie (festgelegte Schritt- und Figurenfolge).

Tango lernt man nicht in einem Tag sowie „Rom nicht an einem Tag gebaut wurde“ – und noch etwas trifft auf Tango zu: „Viele Wege führen nach Rom“!

Anastasia Ferrer

Graz (A), Sommer 2018